Praktische Arbeit

Online-Begleitung für Freiwillige an Europas (Außen-)Grenzen

 

5. Wie und wo kann ich mich engagieren?

 
Worauf solltest du achten, wenn du selbst aktiv werden möchtest? Ohne Kontakte sind Projekte, Gruppen oder Organisationen teilweise schwer zu finden. Hier findest du Verweise auf Möglichkeiten, wo und wie du dich engagieren kannst.
 
 
 
 

Wichtig für die Unterstützungsarbeit

Was solltest du bei der Suche nach einem Projekt beachten?

Es gibt zahlreiche Projekte, die mit ihrer Arbeit People on the Move an den EU-(Außen-)Grenzen unterstützen und dabei auf das Engagement von Freiwilligen angewiesen sind. Aus unserer Perspektive gibt es einige Punkte, die du bei der Wahl deines Projektes beachten solltest:

1. Unterstützungsarbeit sollte unmenschliche Grenzpolitiken kritisieren

Die Unterstützungsarbeit mit People on the Move ist in ein Grenzsystem und die EU-Migrationspolitik eingebettet, die zu unmenschlichen Zuständen in und an den EU-Grenzregionen führen (siehe Blogpost). Wie könnt ihr ein Projekt erkennen, das verantwortungsbewusst mit diesem politischen Kontext umgeht? Organisationen, die staatliche Aufgaben beispielsweise in Lagern übernehmen, sollten hinterfragen, wie durch diese Arbeit die Lagerpolitik unterstützt wird und Staaten sich so aus der Verantwortung ziehen können. Projekte beinhalten in ihrer Ausgangslage immer auch das Aufzeigen von Missständen und eine Kritik dieser. Die daraus resultierende Unterstützung kann und sollte nicht unpolitisch bleiben, sondern ergänzt werden durch Aktionen (wie Kampagnen, Informationsveranstaltungen, Monitoring), die auf eine grundlegende politische Veränderung abzielen.

2. Unterstützungsarbeit sollte kein Selbstzweck sein

Projekte, die lebensnotwendige Unterstützungsarbeit leisten und durch Spenden finanziert werden, können keine langfristige Lösung sein. Die Arbeit vor Ort sollte das Ziel haben, nicht langfristig existieren zu müssen und daher die Verantwortung der Staaten konstant thematisieren. Denn NGOs sollten nicht die Rolle des Staates übernehmen, sondern den Staat oder überstaatliche Organisationen wie die EU dazu bewegen, seine bzw. ihre Arbeit zu machen und seiner bzw. ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Freiwilligenarbeit sollte als Überbrückungsmaßnahme angesehen werden. Achte darauf: Die politische Situation an den EU-(Außen)Grenzen verändert sich konstant, deshalb sollten auch Projekte regelmäßig reflektieren, ob die Arbeit noch sinnvoll und notwendig ist und andere zur Verantwortung zieht. 

3. Unterstützen statt helfen

Hilfe impliziert immer Hierarchien. Statt Hilfe anzubieten, sollten Projekte den Ausgangspunkt haben, Menschen zu unterstützen, die genauso komplex und fähig sind wie du, aber in der Situation schlicht weniger Zugang zu Ressourcen (Geld, Kontakten, Bürokratie- und Sprachkenntnisse, etc.) haben. Achte darauf: Werden Menschen - in der Öffentlichkeits- oder Projektarbeit - auf den Status eines hilflosen und bemitleidenswerten ‘Flüchtlings’ reduziert, der oder die Hilfe durch weiße Europäer:*innen braucht? Wie wird entschieden, was ein sinnvolles Projekt ist und welche Form der Unterstützung benötigt wird? Diese Entscheidungen sollten in Abstimmung mit den betroffenen Menschen getroffen werden, die ihre eigene Situation am besten kennen.

Texte zum Weiterlesen: 

 

Finde dein Projekt an den EU-(Außen-)Grenzen

Bei der Suche nach einem Projekt, bei dem du geflüchtete Menschen an den europäischen (Außen-)Grenzen unterstützt, helfen dir mehrere Informationsseiten und Bewerbungsportale. Hier findest du beispielsweise Informationen zu Projekten:

  • Volunteering 4 Refugees: Eine Webseite zur Unterstützung von Freiwilligen, die zum größten Teil über Hilfsprojekte in Griechenland bzw. offene Stellen für Freiwillige informiert. Die jeweiligen Organisationen schreiben hier ihre Freiwilligen-Suche aus, es gibt eine Liste sämtlicher aktiver Organisationen, ein 'Volunteer-Starter-Kit' und anderes.
    Hier geht's zur Webseite (nicht mehr viel genutzt)
  • Indigo Volunteers: Eine Website, die es Freiwilligen erleichtern soll, das richtige Projekt zur Unterstützung Geflüchteter zu finden und sie mit den jeweiligen Organisationen vernetzt. Die Website unterstützt Organisationen in Griechenland, Frankreich, der Türkei, Bosnien und Herzegowina, Serbien und dem Libanon.
    Hier geht's zur Webseite (Die Website ist gerade selber mit Fundraising beschäftigt und vermittelt daher Freiwillige nicht direkt. Organisationen zum selber kontaktieren findet man trotzdem auf der Seite - Stand November 2023)
  • Choose Love: Choose Love organisiert weltweit humanitäre Hilfe für Geflüchtete, darunter auch Freiwilligenarbeit, die sie über Indigo koordiniert. Aber auch hier findet sich eine Liste mit Organisationen.
    Hier geht’s zur Website (Scrolle nach unten für die Liste der (europäischen) Partner-Organisationen)

Darüber hinaus gibt es viele Websites, auf denen du wichtige Dokumente für interessierte Freiwillige finden kannst:

  • Refugee Crisis Reality Check: Guter Überblick über die Erwartungen an Freiwillige, mit einem Fokus auf mentale Vorbereitung. Zusammengestellt von Campfire Innovation (Stand: Sommer 2017)
    Hier geht's zum Dokument

Auch auf Facebook findest du einige Gruppen, denen du beitreten kannst. In diesen Gruppen werden u.a. generelle Fragen beantwortet, Informationen ausgetauscht und Freiwillige auf Projekte aufmerksam gemacht, die Unterstützung benötigen. Es gibt verschiedene regionale Facebook-Gruppen, hier sind einige Beispiele: 

Wir geben bewusst keine Hinweise auf konkrete Organisationen und Projekte, weil wir nicht die Möglichkeit haben, die Arbeit vieler Akteur*innen zu verfolgen und keine Empfehlungen geben möchten, hinter denen wir nicht sicher stehen können.

 

In deiner Umgebung aktiv sein

Wie kann ich auch zu Hause aktiv sein?


Nicht nur direkt an den (Außen-)Grenzen, sondern auch in deiner Umgebung kannst du dich gezielt für die Bedarfe von geflüchteten und schutzsuchenden Menschen sowohl vor Ort als auch an Europas (Außen-)Grenzen einsetzen. Der strukturelle Rassismus und die Unterdrückungsstrukturen hören auch hier nicht auf, und können auch nachhaltig in deiner Umgebung bekämpft werden. 

Gehe demonstrieren und werde politisch aktiv!

  • Lokale Gruppen organisieren regelmäßig Demonstrationen, Kundgebungen oder andere kreative Aktionen, um auf die Situation von schutzsuchenden Menschen an den (Außen)grenzen sowie in Deutschland aufmerksam zu machen. Nimm daran teil und bring deine Freund*innen mit! Wenn es derartige Gruppen bei dir in der Umgebung nicht gibt, melde dich bei bestehenden Kampagnen und Organisationen in anderen Städten und frag sie nach Unterstützung oder Ideen, Strukturen aufzubauen. Es gibt viele Ressourcen, die du nutzen kannst.
  • Informier dich über lokalpolitische Situationen und Entscheidungen zu der Situation von geflüchteten Menschen! Wo kann hier angesetzt werden? Wo siehst du Bedarf an Informationen oder an Engagement? Gibt es Personen und Politiker*innen, die sich für die Aufnahme von Menschen auf der Flucht einsetzen? Schreib Briefe und Mails an Lokalpolitiker*innen und deine Abgeordneten!
Unterstütze geflüchtete Menschen in deiner Umgebung!

  • Auch in Deutschland erleben schutzsuchende Menschen massive rechtliche und soziale Einschränkungen. Viele von ihnen müssen lange Zeit isoliert in Lagern leben, haben nur sehr beschränkten Zugang zum gesellschaftlichen Leben und mit behördlicher Willkür zu kämpfen.
  • In fast jedem Ort gibt es Organisationen, die geflüchtete Menschen auf verschiedene Arten unterstützen und wertvolle Arbeit leisten. Die Arbeit reicht von der Mitarbeit in Begegnungscafés, der Unterstützung bei Behördengängen, der rechtlichen Unterstützung Geflüchteter bis hin zu der Organisation von und/oder Teilnahme an öffentlichen Kampagnen und Demonstrationen.
  • Anhaltspunkte bei der Suche nach deinem Projekt können lokale Organisationen der Geflüchtetenhilfe, Unterstützungsstrukturen direkt an Sammelunterkünften oder die örtliche Seebrücken-Gruppe sein.
 
 

Informiert bleiben!

Wie kann ich informiert bleiben?

Hier findest du ein paar weiterführende Links, Kampagnen und Initiativen, die dir vielleicht bei deiner Suche behilflich sein können und dir vor allen Dingen helfen können, informiert zu bleiben!

 
 

Erfahrungen teilen

Warum ist es wichtig, deine Erfahrungen zu teilen?


Nutze deine Erfahrungen und Einblicke, um deine Mitmenschen über die Situation an den (Außen-)Grenzen und dort, wo du lebst, zu informieren!
  • Als zurückkehrende*r Freiwillige und/oder Aktivist*in hast du die Chance, deinen Mitmenschen von den tatsächlichen Ereignissen an den Grenzen Europas und vor Ort aus erster Hand zu berichten und so einen persönlichen Bezug herzustellen, der eine bewusstere Auseinandersetzung mit der Situation vor Ort und den dort vorherrschenden Problemen ermöglichen kann.
  • Denn: Es macht einen großen Unterschied, ob man in den Nachrichten über die Situation an den (Außen)Grenzen oder auch in Lagern Deutschlands erfährt oder eine Person persönlich von ihren Erlebnissen berichtet!
  • Du sitzt quasi an der Quelle zu Informationen und persönlichen Eindrücken, die deine Mitmenschen ebenfalls dazu motivieren können, aktiv zu werden - Sei es durch eine Entscheidung bei der nächsten Wahl, bei Gesprächen am Arbeitsplatz oder durch Spenden.
Wie kann ich meine Erfahrungen teilen?

  • Du kannst in persönlichen Gesprächen von deinen Erfahrungen erzählen.
  • Du kannst eine Informationsveranstaltung organisieren.
  • Du kannst einen Erfahrungsbericht schreiben und (öffentlich) teilen.
  • Du kannst die lokale Presse kontaktieren und einen Bericht und/oder ein Interview anbieten.
Mitmenschen informieren lässt sich auch super mit Fundraising verbinden!
Brauchst du Unterstützung bei der Umsetzung?

  • Wir von Brückenwind bieten dir für deinen Erfahrungsbericht sehr gerne eine Plattform und veröffentlichen diesen auf unserer Webseite und auf unseren Sozialen Medien. Wir unterstützen dich auch sehr gerne im Schreibprozess! Bei Interesse schreib uns einfach unter "kontakt@brueckenwind.org"!
  • Du warst an einer (Außen-)Grenze und möchtest jetzt eine Veranstaltung organsieren, aber weißt nicht, wie du das alleine machen kannst oder würdest gerne gemeinsam mit anderen Freiwilligen einen Erfahrungsbericht schreiben? Dann versuche dich doch mit anderen Freiwilligen, die du von vor Ort kennst und die ebenfalls wieder zurück zu Hause sind, zu vernetzen. Du kannst auch dein Projekt um Unterstützung bei der Organisation einer Informationsveranstaltung bitten und beispielsweise nach offiziellen Informationen oder Präsentationen fragen.
 
 

Dein Projekt von zu Hause (weiter) unterstützen

Wie kannst du dein Projekt oder andere Projekte an den (Außen-)Grenzen von zu Hause aus (weiter) unterstützen?

  • Bleibe mit deinem Projekt, den Koordinator*innen und weiteren Freiwilligen, mit denen du zusammengearbeitet hast, in Kontakt!
    Wenn es so etwas nicht schon gibt, schlag einen gemeinsamen Verteiler oder eine Messenger-Gruppe vor. So können Personen "on the ground" die ehemaligen Freiwilligen auf dem Laufenden halten, und alle über bestimmte Spendenaktionen, Petitionen, Bedarfe an Freiwilligen und politische Veränderungen etc. informieren können, sodass ihr das Projekt relativ einfach und gezielt weiter unterstützen könnt.
  • Vor allen Dingen sind Strategien der Öffentlichkeitsarbeit und des Fundraisings von hoher Bedeutung für eine nachhaltige Unterstützung!
    In dem du öffentlich über dein Projekt berichtest oder Spendenaktionen organisierst, schaffst du so weiteres Bewusstsein für die Thematik und kannst deinem Projekt und der Sache an sich vermutlich am meisten helfen! Es kann nie genug Berichterstattung geben, wenn es denn die Richtige ist, die den politischen Druck erhöht. Schau hier also gerne nochmal in den jeweiligen Einheiten auf unserer Website nach, beides sind gute Möglichkeiten, um dein Projekt auch nach deinem Aufenthalt weiterhin langfristiger zu unterstützen.
  • Versuche weitere Freiwillige für dein Projekt zu gewinnen, wenn du gute Erfahrungen gemacht hast.
    Erzähle zum Beispiel in deinem Verein, an deinem Arbeitsplatz, in deiner Uni von den Erfahrungen, die du gemacht hast und / oder sprich auch gezielt Personen an. Durch dein direktes Erfahrungswissen kannst du wichtige Fragen beantworten, die Notwendigkeit dieser Arbeit weitervermitteln und auch die für dein Projekt wichtigen Kriterien und Anforderungen direkt an potentielle Freiwillige vermitteln.

Diese Seite wurde vom Deutschen ins Englische übersetzt von Rossella Ferrara.

 
 
Fragen? Kritik? Anmerkungen? Ergänzungen?
Wir freuen uns sehr über Rückmeldungen und hilfreiche Hinweise von Euch! Schreibt uns einfach eine Email: kontakt@brueckenwind.org

Du möchtest unsere Inhalte teilen?
Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz