Online-Begleitung: Einheit 09: Reflektion & Verarbeitung des Freiwilligenaufenthalts | Brückenwind

Nachbereitung

Online-Begleitung für Freiwillige an Europas (Außen-)Grenzen

 

9. Reflektion & Verarbeitung des

Freiwilligenaufenthalts


Die Zeit vor Ort vergeht meist so schnell und ist so erlebnisreich, dass oft keine Zeit für eine intensive Beschäftigung mit der eigenen Arbeit und einer Reflexion dessen bleibt. Wieder zurück zu Hause in der vertrauten Umgebung können daher viele Gedanken auf einmal auf dich einprasseln. Die Verarbeitung des Erlebten kann einige Zeit und Emotionen in Anspruch nehmen. Wir haben hier einige Möglichkeiten für dich, die dir bei der Verarbeitung und Reflexion helfen könnten. Schau dir einfach die verschiedenen Ideen an und suche dir etwas Passendes für dich aus. .
 
 
 
 

Die Zeit danach

Was kann auf dich zukommen?

Nach Hause fahren. Sachen packen, sich von allen verabschieden und dann ab in den Zug oder in den Flieger - das klingt einfacher, als es oft ist. Die Zeit vor Ort vergeht meist so schnell, man hört, sieht und erlebt so viel, dass manchmal nur wenig Zeit zum Hinsetzen, tief Durchatmen und Nachdenken bleibt.

Es kann sein , dass du wiederkommst und dich direkt wieder in deinen Alltag einfindest. Vielleicht bist du sogar sofort motiviert, dich auch zurück zu Hause weiter für die Belange der Menschen, mit denen du gearbeitet hast, einzusetzen, für ihre Rechte zu demonstrieren, deine Mitmenschen über die Situation aufzuklären oder Organisationen vor Ort oder in deiner Stadt zu unterstützen.

Es kann aber auch passieren , dass du erst einmal eine Weile brauchst, um all das Erlebte und Gesehene zu verarbeiten. Vielleicht beschäftigen dich einige Gedankens sogar stärker, als du es erwartet hättest.


Mit diesem Problem bist du keinesfalls allein!

  • Im Laufe der vergangenen Jahre haben wir von Brückenwind uns mit vielen Menschen unterhalten, die im aktuellen Kontext der humanitären Hilfe an den europäischen Außengrenzen tätig waren. Viele berichten davon, wie schwer es ihnen fiel, nach einer solch intensiven Zeit zurückzukommen und einfach weiterzumachen, wo man aufgehört hatte.

  • Viele fühlten sich plötzlich von ihrer Umwelt und sogar von ihren Freund*innen und Familien durch die gemachten Erfahrungen abgeschnitten. Sie berichteten davon, sich in ihrem Job, ihrem Studium oder ihrer Ausbildung fehl am Platz oder sogar nutzlos zu fühlen. Weltschmerz, Frust und das Gefühl der Hilflosigkeit angesichts dieser immensen Menschenrechtsmissachtungen an Europas Grenzen werden hier immer wieder beschrieben.


 
 

Vorschläge zur Reflexion und Verarbeitung

Was kannst du tun?


Nimm deine Gedanken ernst und kümmere dich um dich!

  • Da diese Gedanken und Gefühle häufig nicht einfach so verschwinden, empfehlen wir dir, dir aktiv Zeit und Raum für die Verarbeitung und Reflexion deiner eigenen Erfahrungen zu nehmen.
  • So simpel es auch klingt, es kann sehr hilfreich sein, deine Gedanken und Gefühle einmal auf Papier festzuhalten oder auf irgendeine andere Art zu thematisieren und auszusprechen.
  • In der unten stehenden Abschnitt haben wir ein paar Vorschläge für dich gesammelt.

Wir haben dir für diesen Reflexions- und Verarbeitungsprozess ein paar Anregungen und Vorlagen bereitgestellt.
  • Klicke dich durch die verschiedenen Impulse und schau, welches Format für dich passend sein könnte.
  • Vielleicht kommen dir ein paar unserer Ideen erst einmal etwas seltsam vor, aber wir sind uns sicher: Wenn du versuchst, dich ein bisschen darauf einzulassen, kann dir allein das Verschriftlichen und “aussprechen” einiger Gedanken dabei helfen, alles ein bisschen besser zu ordnen, zu verstehen und zu verdauen.
Austausch

  • Ein Austausch über das Erlebte ist in jedem Fall wichtig. Deinem Umfeld von der Situation vor Ort und deiner Arbeit zu berichten, hilft nicht nur dabei, diesem wichtigen Thema in deinem Umfeld zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen.
  • Es kann dir helfen, anderen von deinen Eindrücken zu berichten und so auch im Gespräch Erlebnisse zu verarbeiten und Gedanken zu sortieren. Dabei kann es in Gesprächen mit Familie und Freund*innen vorkommen, dass du dich nicht ganz verstanden fühlst oder dir wichtige Worte fehlen, um dich richtig zu erklären.
  • Daher empfinden wir es als besonders hilfreich, sich vor allem auch mit Menschen zu vernetzen und auszutauschen, die ähnliche Erfahrungen in der Freiwilligenarbeit gemacht haben. Du wirst hier besonders schnell feststellen, dass viele Gefühle und Gedanken nach der Rückkehr ähnlich sind und ein gemeinsamer Verarbeitungsprozess dabei helfen kann, sich weniger orientierungslos und vielleicht auch einsam zu fühlen. Bleib also zum Beispiel mit anderen Freiwilligen aus deinen Organisationen in Kontakt und melde dich nach der Rückkehr bei ihnen.
Brief an unbekannt

  • Es kann vorkommen, dass während der Arbeit Situationen aufkommen oder Geschichten erzählt werden, die du aber vielleicht aus unterschiedlichen Gründen mit niemandem wirklich teilen kannst oder willst. Das können persönliche Geschichten sein, die dir anvertraut wurden, Gefühle, für die du dich eventuell schämst, Konflikte mit einem anderen Menschen oder auch etwas ganz anderes.
  • Dabei sind es vielleicht gerade diese Erlebnisse, die am stärksten auf dir lasten. Um einen Teil dieser Last loszuwerden, kann es helfen, das Erlebte und alle damit einhergehenden Gefühle einmal aufzuschreiben.
  • Vielleicht möchtest du dich in einer Art “Brief” an jemanden konkretes richten, vielleicht möchtest du wie ein Tagebucheintrag an dich selbst schreiben, vielleicht richtest du dich an “Unbekannt”, um ungesteuert deine Gedanken loszuwerden. Bei allen Versionen gilt: Niemand außer dir soll diesen Brief lesen. Wenn du dich wohler damit fühlst, kannst du ihn auch anschließend vernichten. Es geht darum, Gedanken zu sortieren und diese irgendwie “aussprechen” und so langfristig loswerden zu können.
Stimmungsgraph

  • Bei dem Stimmungsgraphen geht es darum, dein Wohlergehen, verschiedene erlebte Ereignisse, Gedanken und Gefühle - also kurz: deine grundlegende Stimmung - die du während deiner Freiwilligenarbeit hattest, chronologisch in Form eines Graphen darzustellen.
  • Dazu wird auf der X-Achse die Zeit dargestellt, die Y-Achse steht für die eigene Stimmung, ganz nach deinen Maßstäben.
  • Dabei können sich zum Beispiel besondere Schwankungen und Wendepunkte herauskristallisieren, die du zusätzlich beschreiben kannst, wenn sie beispielsweise an ein besonderes Ereignis geknüpft sind.
  • Diese Visualisierung deines Zustands und deines Wohlergehens kann im Nachhinein dabei helfen, die gesamte Zeit noch einmal “durchzuspielen” und bestimmte “Knackpunkte” herauszufiltern, die dir vielleicht auch im Nachhinein noch zu Schaffen machen.
  • Außerdem ermöglicht dir diese Darstellung auch, besonders schöne und eindrucksvolle Momente noch einmal als solche zu bestimmen und nachzuempfinden.
Reflexion der persönlichen Entwicklung

  • Diese Mind-Map kann dir dabei helfen, deine persönliche Entwicklung im Laufe der Freiwilligenarbeit besser darstellen und nachvollziehen zu können. So kannst du deinen eigenen persönlichen Lernprozess verstehen und reflektieren.
  • Vielleicht bist du besonders stolz auf ein paar Kenntnisse und Fähigkeiten, die du dazugelernt hast und kannst diese für dich noch einmal ausformulieren und als Stärken werten, die du auch in Zukunft anwenden kannst.
  • Du kannst die Punkte ausfüllen, die dir wichtig erscheinen und nach eigenem Belieben ergänzen:

Idee für deine Mindmap:

Thema 9_ Reflektion & Verarbeitung des Freiwilligenaufenthalts
 
 
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